Abschied nach 23 Jahren: Zoltan Horvath geht in Rente

11. Jun 2020

Mehr als zwei Jahrzehnte war Zoltan Horvath unser Reitlehrer im Reitclub Steinsee. Er hat Generationen von Reitern und Pferden ausgebildet, am 15. Juni geht er nun in die wohlverdiente Rente. Zu seinem Abschied haben wir uns mit ihm noch einmal zusammengesetzt. Ein Gespräch über Pfingstturniere, warum Politiker ein Vorbild für einen Reitlehrer sein können und warum er nicht nur den Steinsee, sondern das ganze Land vermissen wird.

So kennen wir ihn: Mit kritischem Blick am Sprung, immer mit guten Tipps, was man noch besser machen kann.

23 Jahre Reitclub Steinsee, wie fühlt sich das an? „An meinem letzten Tag wird wahrscheinlich ein ganzer Film vor meinen Augen ablaufen. All die Jahre, all die Momente, die ich mit diesem Ort verbinde.“ So richtig real wirkt es für Zoltan Horvath noch nicht, dass er an diesem Sonntag nun ein letztes Mal seinen Klappstuhl in die Reithalle tragen wird und seine letzten Unterrichtsstunden für den Reitclub Steinsee geben.

Anfängern das Reiten beizubringen, damit startete Horvath eigentlich erst in Deutschland. Zunächst in Ottobeuren, dann sehr schnell auch am Steinsee. 1997 war es, als die damaligen Vorsitzenden Albert Finkenzeller und Siegfried Werner den Vertrag unterschrieben mit diesem sportlich hoch erfolgreichen ungarischen Vielseitigkeitsreiter. Ein echter Fang für den Reitclub Steinsee. Horvath brachte internationale Siege mit: Von 1979 bis 1990 war er im Kader der ungarischen Vielseitigkeits-Nationalmannschaft. Zwei Mal nahm er an der Europameisterschaft teil, drei Mal wurde er ungarischer Meister und gewann auch als Gastreiter bei den Österreichischen Meisterschaften. Der Höhepunkt kam 1980: Da wurden die Mannschaft mit Zoltan Horvath vierter bei den Olympischen Spielen in Moskau.

Horvath bei den Europameisterschaften 1981 im Gelände.

Am Steinsee kam die Ausbildung von Reitern dazu, gerade auch die ganz frühe. „Man lernt so viel dabei, wenn man Anfänger unterrichtet. Ein guter Reitlehrer muss mit jedem Schüler etwas erreichen können, egal wie klein der Erfolg ist“, erzählt Horvath. In all den Jahren hat er mehrere hundert Menschen aufs Pferd gesetzt und zu Reitern gemacht. Reitlehrer sein, das sei gar kein leichter Beruf. „Eigentlich muss man vermitteln, wie es sich anfühlt. Das mit Worten zu beschreiben, ist oft wirklich schwer und braucht viel Geduld.“ Die Tricks dafür hat Horvath sich viel von Politikern abgeschaut, in den Talkshows, die er so liebt. „Die können alles argumentieren und diskutieren und der Zuschauer kann in diesen Debatten immer entscheiden, wer Recht hat. Da kann man viel von lernen!“

„Reiten wir alle zusammen Figuren und weil wir nicht können Piaffe und Passage, wir reiten Quadrille.“

Beim Unterrichten schaue Horvath immer in die Gesichter, dort sehe er, ob der Reiter gerade wirklich lernen möchte oder gar nicht hinhört. „Manche können sich auch nicht vorstellen, dass das, was ich sage, wirklich geht.“ Das ist oft der Moment, wo er zum Reiter sagt: „Anhalten.“ Und „steig mal ab.“ Dann schwingt Horvath sich auf den Rücken und führt einfach vor, was er meint. „Wenn sie dann gesehen haben, dass das Pferd wirklich so reagiert wie ich sage, fällt es vielen viel leichter, das auch nachzureiten.“ Ein Reitlehrer müsse sich immer wieder disziplinieren, sich auch in die Reiter hineinzuversetzen. „Viele sind so weit weg von ihren Schülern, die wissen gar nicht mehr, wie es war, als man es selbst gelernt hat.“

„Springstunde war wie Krieg. Viele Reiter gefallen.“

Was Zoltan Horvath in all den Jahren immer am meisten Spaß gemacht hat, war der sportliche Wettkampf. Mit den Schulreitern hat er jahrelang am PM-Schulpferde-Cup teilgenommen – und das sehr erfolgreich. Unter mehr als 200 Mannschaften aus ganz Deutschland kam er mit seinen Reitern zwei Mal auf den zweiten Platz, einmal wurden sie fünfter. Bis der ganze Cup zu professionell wurde und es immer mehr um das Talent der Pferde und weniger um die Reitkunst ging. Eine normale Reitschule konnte da kaum noch mithalten. Sind ihm eigentlich Pferde besonders im Gedächtnis geblieben? „Rico, der war so ehrlich und ist einfach mit jedem Reiter gegangen. Und Tamino, weil er so klug war!“

Wen hat eigentlich ein Zoltan Horvath als Vorbild? „Marcus Ehning!“, da muss er nicht lang nachdenken. „Weil er ganz fein reitet. Er ist ein Genie im Sattel!“, sagt Horvath mit Begeisterung. Er schaue sich jeden seiner Ritte an, im Fernsehen oder am Abreiteplatz, schon vom Zuschauen könne man so viel lernen. Wenn die Steinsee-Gruppe einmal im Jahr nach Verona zur Pferdemesse gefahren ist und Horvath mal wieder nicht aufzufinden war, hätten sie immer schon gescherzt: „Weiß jemand, wo Herr Horvath ist?“ „Na klar, am Abreiteplatz Springen, den Ehning trainieren!“ Sehr gut erinnert sich Horvath auch noch an das Geschenk, das er zum 20-jährigen Jubiläum bekam: Einen Videogruß von Marcus Ehning! Horvath konnte es am Anfang kaum glauben.

Pferd verweigert, Reiter fliegt über das Hindernis: „Prima, nächste Mal müssen Sie nur mitnehmen das Pferd!“

Von den Deutschen Reitern ist er ohnehin beeindruckt. Ihretwegen wollte er früher unbedingt nach Deutschland. „Das ist wirklich einmalig. Die Deutschen Kaderreiter können alles!“, sagt er und klingt dabei noch immer beeindruckt. Das wollte er lernen, damals, dabei hat es ihm immer am meisten in die Vielseitigkeit gezogen. Dressur sei schon wichtig als Grundlage, „aber dabei nicht über ein Stange reiten zu können, das ist eine Strafe für mich.“ Der Reitsport von vor 25 Jahren sei dabei aber auch nicht mehr mit dem heutigen zu vergleichen. „Die Vielseitigkeit ist so technisch und die Championatsreiter in allen drei Disziplinen so viel besser geworden. Heute reiten die so am äußeren Zügel über die Geländehindernisse, wie sonst nur im Dressurviereck!“

Die Vereinsmitglieder und überhaupt der Reitverein, sie begleiten Horvath auch schon zwei Jahrzehnte. Auch da sei natürlich ein wenig Politik dabei: Man müsse immer 50% auf seiner Seite haben, dann sei alles gut. „Früher war der RCS so ein traditioneller Verein. Die Fluktuation von Reitern war nicht so hoch, man hat lange Zeit die gleichen Leute trainiert. Das hat Spaß gemacht!“ In all den Jahren seien so viele erfolgreiche Vielseitigkeitsreiter dabei gewesen und ihm ist wichtig, sie alle zu nennen: Edy Wild, der schon vor Horvaths Zeit international erfolgreich war. Stephan Leistner-Mayer, Meike Weber, Gero Wallenberger, Daniel Edinger, Caroline Striegl, Angelika Thurmayr, Lisa Gallersdorfer, Carina Koropp, Julia Wagner und Annette Finkenzeller. „Einige von ihnen sind sogar bis zu Drei-Sterne-Vielseitigkeit geritten!“, freut sich Horvath noch immer.

Auch die Theatergruppe, in der er nie selbst gespielt habe, die gehöre einfach zum Verein dazu. Und die Menschen, seine Wegbegleiter. Albert Finkenzeller, der ihn eingestellt hat. „Und die Hofbesitzer, die Familie Mayr, die mich immer unterstützt hat. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar“, sagt Horvath. Genauso bedanken möchte er sich bei Yvonne Wirth und Marianne Mayr, „ohne ihre Hilfe wäre es unmöglich, einen Schulstall zu führen!“

„Springen Sie nochmal Wassergraben, aber landen Sie diesmal mit Vorhand, nicht mit Hinterhand!“

Dankbar ist er auch für seine Frau, die immer bei ihm war und ihm immer zugehört hat. „Sie muss sich immer den ganzen Schmarrn aus dem Stall anhören, oder wie Ehning wieder geritten ist. Und das, obwohl sie keine Reiterin ist. Sie hat ja eigentlich mit einem Verrückten zusammen gelebt!“ Von 100 Frauen wären 99 schon abgehauen. Warum sie das nicht ist? Schiebt er gleich hinterher: „Sie sagt immer, die Pferde stehen an erster Stelle bei mir. Ist aber gar nicht so. Sie steht da!“

Und wie geht es jetzt weiter für das Ehepaar Horvath? Noch im Juli ziehen sie nach Ungarn, so richtig in Rente geht es nämlich noch nicht. Oder wie es Horvath mit einem seiner trockenen Sprüche begründet: „Pferde, das ist mein Leben. Wenn ich keine Pferde mache, dann ich tot nach einem halben Jahr.“ Das Ziel: Als Reitlehrer noch einmal im internationalen Sport trainieren. „Das ist meine letzte Chance, noch einmal so etwas zu machen“, sagt Horvath. Deutschland wird er dabei genauso vermissen, wie den Steinsee. „Nach 30 Jahren ist das hier auch meine Heimat geworden.“

Von Lina Timm

Danke Zoli,

für 23 Jahre unermüdlichen Einsatz für unseren Reitclub. Wir werden dich sehr vermissen!

Gerald, Gaby, Angie, Andrea, Sarah, Alexander, Vanessa und Lina
stellvertretend für den gesamten Reitclub Steinsee.